Ein Anwenderbericht von Dr. Petteri Viljakainen

Mitunter entstehen Verfärbungen an traumatisierten Zähnen schleichend und ohne erkennbare Symptome, was später allerdings zu diagnostischen und therapeutischen Herausforderungen führen kann. So erforderte auch der vorliegende Fall einer 28-jährigen Patientin 19 Jahre nach dem Trauma eine effektive Behandlung.

Die Patientin erlitt im Jahr 2006 als Neunjährige ein Zahntrauma. Ihrer Aussage nach zeigte Zahn 11 jahrelang keinerlei Auffälligkeiten. Etwa 2016 bemerkte sie erstmals eine leichte Farbveränderung, welche bis 2018 zunehmend stärker wurde (Abb. 1).


Abb. 1 – Ausgangssituation

 

Nach Abschluss ihres Zahnmedizinstudiums nahm die Patientin 2025 die Bewertung der Situation selbst in die Hand. Das Röntgenbild zeigte eine vollständig obliterierte Pulpakammer ohne erkennbare Kanäle. Periapikale Auffälligkeiten oder Anzeichen eines Knochenabbaus waren nicht feststellbar (Abb. 2), so dass eine Wurzelkanalbehandlung oder eine interne Zahnaufhellung nicht möglich waren. Der Zahn reagierte nicht auf Vitalitätstests, allerdings gab es keine eindeutigen Hinweise auf eine Pulpanekrose.

Abb. 2 – Röntgenbild

 

Auf Basis dieser Befunde schien ein Veneer zunächst die einzige Lösung zu sein. Dies wollte die Patientin jedoch möglichst vermeiden. Daher stellte sie sich mit dem Wunsch nach einer minimal-invasiven Behandlung in meiner Praxis vor.

Durch die vollständige Obliteration des Kanals und die fehlende Möglichkeit einer konventionellen endodontischen Therapie wurde, wie bereits erwähnt, eine interne Zahnaufhellung ausgeschlossen, da der Zugang zur Pulpakammer eine invasive Behandlung erfordert hätte.

Da weder radiologisch noch klinisch Zeichen einer Entzündung vorlagen (Abb. 2), entschied ich mich für eine äußerliche Zahnaufhellung, um das ästhetische Erscheinungsbild ohne Verlust der Zahnsubstanz zu optimieren.

Nach einer professionellen Zahnreinigung nahm ich die Bestimmung der Zahnfarbe vor. Der betroffene Zahn 11 zeigte eine A3, Zahn 21 eine B1 (Abb. 3 und 4).

 

 

Abb. 3 – Initiale Zahnfarbe Zahn 11

 

Abb. 4 – Initiale Zahnfarbe Zahn 21

 

Für die Zahnaufhellung verwendete ich eine bereits vorhandene, patienteneigene Schiene und das Opalescence™ PF Zahnaufhellungsgel mit 10 % Carbamidperoxid (Ultradent Products). Im ersten Schritt erfolgte die zweiwöchige Behandlung des Oberkiefers, um die Zahnfarbe gesamthaft anzugleichen (Abb. 5).

 


Abb. 5 – Ergebnis Oberkiefer nach 3 Wochen

 

Anschließend lag der Behandlungsfokus weitere drei Wochen ausschließlich auf dem betroffenen Zahn 11. Nach insgesamt fünf Wochen hatte sich die Zahnfarbe auf eine schöne BL4 an Zahn 11 und BL3 an Zahn 21 verbessert (Abb. 6 und 7). Zahn 11 entsprach damit farblich nahezu den Nachbarzähnen (Abb. 8). Die Patientin war mit dem Ergebnis sehr zufrieden und überglücklich, dass kein invasiver Eingriff notwendig geworden war.

Abb. 6 – Endergebnis Zahn 11 nach 5 Wochen 

 


Abb. 7 – Endergebnis Zahn 21 nach 5 Wochen  

 

Abb. 8 – Endergebnis Oberkiefer nach 5 Wochen  

 

Als Behandler war ich ebenso erfreut, dass ich mit einer klassischen Zahnaufhellung und einem relativ niedrig konzentrierten Gel ein solch gutes Resultat erzielen konnte. Im Vergleich zur Herstellung eines indirekten Veneers erwies sich dieses Behandlungsprotokoll eindeutig als bessere Option. Selbst wenn die Zahnaufhellung nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hätte, wäre sie trotzdem sinnvoll gewesen. Schließlich vereinfacht jede Aufhellung die zahntechnische keramische Arbeit.

Dieser Fall zeigt eindrücklich, dass ein schonender, weniger invasiver Ansatz lohnend sein kann, selbst wenn das Ergebnis zunächst unsicher erscheint. Trotz der Komplexität und der vollständigen Obliteration des Kanals konnte mit Opalescence PF 10 % eine effektive und zuverlässige Zahnaufhellung erzielt werden. Die schonende Formel ermöglichte ein fantastisches Ergebnis, ganz ohne Verlust der Zahnsubstanz oder Empfindlichkeiten. Auch die Patientin, selbst eine junge Zahnärztin, war sowohl vom ästhetischen Erscheinungsbild als auch vom konservativen Behandlungsprotokoll überzeugt. Damit wird deutlich, dass weniger in der modernen Zahnmedizin tatsächlich mehr sein kann.

 

Über den Anwender: 

Dr. Petteri Viljakainen

  • Abschluss an der Universität Helsinki, Finnland, 2009
  • Zahnarzt und Partner in den eSmile Praxen in Espoo und Helsinki, Finnland; Schwerpunkt kosmetische Zahnheilkunde
  • Schwerpunkt & besondere Interessen:
    Ästhetische und kosmetische Zahnheilkunde, regelmäßige Teilnahme an weltweiten Vorträgen und Seminaren


  • Mitgliedschaften:
    - Akkreditiertes Mitglied der American Academy of Cosmetic Dentistry (AACD)
    - Akkreditiertes Mitglied der British Academy of Cosmetic Dentistry (BACD)
    - Akkreditiertes Mitglied der IAS Academy

  • Sonstige Aktivitäten:
    -  Key Opinion Leader für führende Dentalhersteller
    - Internationaler Referent und Schulungsleiter für Dentalmaterialien und -techniken sowie Dentalfotografie