Von Daniel Lewis

Auch wenn es viele erfüllende Momente gibt: Die Zahnmedizin zählt zweifelsohne zu den stressigeren und anspruchsvolleren Berufsfeldern. Zwischen intensiver klinischer Tätigkeit, langen Arbeitszeiten, Überstunden, Personalmangel, Angstpatienten und zu eng getakteten Terminplänen stehen zahnmedizinische Fachkräfte permanent vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Dies kann nicht nur zu Burnout führen, sondern auch die psychische Gesundheit erheblich belasten.

Laut einer aktuellen Studie zum Thema Burnout im zahnmedizinischen Bereich ist das Problem in der Branche weitverbreitet und betrifft Fachkräfte weltweit. Dieselbe Studie belegt, dass die Covid‑19-Pandemie zahlreiche Burnout begünstigende Faktoren verstärkt hat.1

Angesichts dieses Stresslevels ist es wichtig, dass zahnmedizinische Fachkräfte besonders auf ihre psychische Gesundheit achten.

Die Ratgeber in der Literatur sind sich einig: es sollen „klare Grenzen gesetzt und die offene Kommunikation gefördert werden“, um Stress am Arbeitsplatz zu reduzieren. Mit Sicherheit kann sich die Beachtung dieser Empfehlungen förderlich auswirken.

Aber welche Maßnahmen zur Selbstfürsorge treffen Zahnärzte und Praxisteams wirklich? Wie gehen sie im Berufsalltag mit Stress um und wie reduzieren sie ihr Burnout-Risiko? Dieser Frage sind wir genauer nachgegangen und haben Mitglieder des Clinical Teams bei Ultradent Products gefragt, wie sie in ihr psychisches Wohlbefinden investieren. Von Kochen über Weingenuss bis hin zu Downhill-Mountainbiking scheinen alle davon ihren Weg gefunden zu haben, um sich vor einem Burnout zu schützen.

 

Zeit für die Familie

Gesunde Beziehungen zu Familie und Freunden können sich äußerst positiv auf das psychische Wohlbefinden auwirken.2 Dr. James Wright (klinischer Berater für Ultradent Products) bestätigt, dass er Stress am besten abbauen kann, wenn er Zeit mit seinen Liebsten verbringt. „Manchmal fällt es mir schwer, gedanklich Feierabend zu machen“, erzählt er. „Aber sich Zeit für die Familie zu nehmen – und diese Zeit auch sinnvoll zu nutzen – erzeugt ein Gefühl von Verbundenheit.“ Dies gelte gleichermaßen für enge Freunde. „Ein einfacher Spaziergang, ein gemeinsames Essen, eine Fahrradtour, ein Spieleabend oder ein gutes Gespräch helfen dabei, Sorgen loszulassen und unsere wichtigsten Beziehungen zu stärken.“

 

Auch Dr. Renato Miotto Palo, ebenfalls klinischer Berater für Ultradent Products, nimmt sich regelmäßig Zeit für Freunde und Familie, um seine Batterien wieder aufzuladen. Seine Leidenschaft für kulinarische Experimente verbindet er damit, eine schöne Zeit mit anderen zu verbringen. „Ich kann am besten abschalten, wenn ich Freunde auf ein gutes Essen Getränke einlade“, erzählt er. „Ich liebe es, für Freunde und Familie zu kochen.“ Sein Zweitjob als Küchenchef seiner Familie bietet Dr. Palo ein kreatives Ventil, um sich von alltäglichen Belastungen abzulenken, mit denen viele zahnmedizinische Fachkräfte konfrontiert sind. Auf Rezepte verzichtet er dabei weitgehend und lässt sich stattdessen von den Zutaten leiten, die er gerade zur Hand hat. „Manchmal geht etwas schief, aber das ist okay. Mit Freunden schmeckt es immer!“

 

Ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper

Dr. Mark Pettit, Mitglied des Clinical Advisory Teams bei Ultradent Products, kommt auf seinem Fahrrad auf andere Gedanken: Er und sein Bruder sind regelmäßig damit auf Utahs Straßen unterwegs. „Wir sind eigentlich jeden Samstag auf Achse und fahren etwa 65 Kilometer“, so Pettit. „Bei unseren Touren sind wir zwei bis drei Stunden unterwegs und unterhalten uns dabei über unsere Kinder, die Arbeit oder Politik. Nach der Tour sind wir jedes Mal entspannter und können die Dinge, die uns gerade beschäftigen, besser handeln.“

 

Dr. Brigham Stoker, Mitglied desselben Teams, setzt ebenso auf das Radfahren, um Abstand zum Berufsalltag zu gewinnen. Er ist allerdings am liebsten allein mit dem Mountainbike unterwegs. „Sport eignet sich allgemein sehr gut, um Stress abzubauen, aber ich persönlich brauche dabei Zeit für mich allein – und Ruhe“, so Dr. Stoker. „Wenn ich draußen mit dem Mountainbike unterwegs bin, ist das eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen ich nicht durch andere Dinge abgelenkt werde. Ich denke an nichts anderes und kann die körperliche Aktivität im Freien ohne Einschränkung genießen.“ Dabei ist ihm besonders wichtig, dass er sich ganz bewusst Zeit für sich selbst nimmt: „Manchmal muss ich Dinge auch einmal unerledigt liegen lassen, um Mountainbiken zu gehen. Wenn ich zurückkomme, bin ich dafür normalerweise weniger gestresst und effizienter.“

 

Routine und Achtsamkeit

„Ausreichend Wasser und Schlaf, weniger Zucker sowie Sport, vor allem Kickboxen, helfen mir, auf andere Gedanken zu kommen“, erklärt Dentalhygienikerin Crystal Barnes, die Ultradent Products zum Thema Hygiene berät.

Achtsamkeit sei ein wichtiger Teil ihrer Alltagsroutine: „Man driftet so leicht ins Negative ab, besonders angesichts der emotionalen Belastungen, die manche Patienten mit in die Praxis bringen. Um diese negativen Energien nicht selbst aufzunehmen, versuche ich, bewusst abzuschalten. Dazu verbringe ich gerne Zeit im Freien, treibe Sport oder backe Sauerteigbrot. Das hilft mir, einen klaren Kopf und eine frische Perspektive zu bekommen.“ Barnes empfindet Outdoor-Aktivitäten wie Wandern und Stand-up-Paddeln als besonders therapeutisch. Für sie ist die Natur „die beste Medizin“.

 

Umgang mit Erwartungen und dem Arbeitspensum

Auch bei Dr. Gary Findley sind die Termine eng getaktet. Dr. Findley ist nicht nur Inhaber einer eigenen Praxis, sondern auch aktiv tätiger Referent. Außerdem leitet er das Clinical Team bei Ultradent Products und war mehrere Jahre der Zahnarzt des Hockeyteams „Utah Grizzlies“. Gleichzeitig versucht er, so viel Zeit wie möglich mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zu verbringen. Er kontrolliert sein Arbeitspensum bewusst und pflegt einen gesunden Umgang mit Erwartungen, so dass Stress gar nicht erst entsteht. So reduziert er auch sein Risiko, an einem Burnout zu erkranken. „Ich achte sehr darauf, meinen Terminkalender gut zu organisieren. Ich liebe den künstlerischen Aspekt der restaurativen Zahnheilkunde. Stress entsteht für mich, wenn ich hetzen muss. Natürlich ist es wichtig, effizient zu arbeiten, aber man sollte sich nicht unnötig unter Druck setzen.“ Dr. Findley unterstreicht zudem, wie entscheidend schrittweise Veränderungen sind, um Stress zu vermeiden. „Zu viele Neuerungen auf einmal mag ich nicht“, gesteht er. „Es ist elementar, die Veränderungen fokussiert zu steuern. Allmähliche Anpassungen sind entscheidend.“

 

Zudem sei es wichtig, dass sich die Wochenenden vom Alltag unterschieden. „Die Wochenenden sollten mit Aktivitäten gefüllt sein, die wirklich Spaß machen und überhaupt nichts mit der Arbeit zu tun haben. Vielleicht mit einem Quad-Ausflug, mit Bootfahren oder einer Tüftelei in der Garage. Das verschafft mentale Pausen.“

 

Die Balance finden: Investition in sich selbst und eine langfristige Gesundheit

Auch wenn die Arbeit in der Zahnheilkunde zweifellos anspruchsvoll ist, gibt es zahlreiche effektive Strategien, um Stress zu reduzieren und ein Burnout zu vermeiden. Ob eine Auszeit mit Familie und Freunden, Entspannung beim Kochen oder Radfahren bis zur Erschöpfung: Für den Erfolg als Zahnarzt ist es entscheidend eine Beschäftigung zu finden, bei der man abschalten kann. Ein guter Ausgleich und bewusste Regenerationszeiten helfen, den Berufsalltag nachhaltig zu meistern und die Patienten weiterhin auf höchstem Niveau zu betreuen.

 

  1. Negucioiu M, Buduru S, Ghiz S, et al. Prevalence and Management of Burnout Among Dental Professionals Before, During, and After the COVID-19 Pandemic: A Systematic Review. Healthcare (Basel). 2024;12(23):2366. Veröffentlicht: 26. Nov. 2024. doi:10.3390/healthcare12232366
  2. Thomas PA, Liu H, Umberson D. Family Relationships and Well-Being. Innov Aging. 2017;1(3):igx025. doi:10.1093/geroni/igx025