Ein Anwenderbericht von Dr. Marion Bulidon
Eine weit verbreitete These lautet: „Ältere Patienten haben kein Interesse an einer Zahnaufhellung“. Einerseits ist dies auf die Annahme zurückzuführen, dass diese Zielgruppe den Themen Komfort und Funktion eine größere Bedeutung zumisst als ästhetische Aspekten. Andererseits hält sich unter Behandlern hartnäckig der Irrglaube, dass eine Zahnaufhellung bei altersbedingt „grauen“ Zähnen keine effektiven Ergebnisse erzielt.
Seit mittlerweile 13 Jahren führe ich in meiner Praxis Zahnaufhellungen durch. Die dabei gewonnenen Erfahrungen und das Vertrauen meiner Patienten haben mich darin bestärkt, diese Behandlungen heute auch Patienten anzubieten, die früher möglicherweise nicht dafür aufgeschlossen gewesen wären. Unsere Gesellschaft ist zunehmend von einem Verjüngungstrend geprägt. Das bedeutet, der Alterungsprozess soll durch ästhetische medizinische und chirurgische Maßnahmen verzögert werden. Tatsächlich entfallen bereits über 50% des Ästhetikmarkts auf die Generation 60+. Die logische Konsequenz daraus sind die Anpassung von Behandlungsplänen und die Berücksichtigung von ästhetischen Faktoren bei älteren Patienten.
Sogenannte „graue“ Zähne sind in Wirklichkeit transluzent. Durch Abnutzungen und einen zunehmend transparenten Zahnschmelz können sie aber grau erscheinen. Bekanntermaßen setzt sich die natürliche Zahnfarbe ausschließlich aus Farbnuancen im Rot- und Gelbbereich zusammen. Grau dagegen ist kein Bestandteil der natürlichen Zahnsubstanz. Ältere Zähne aber können grau wirken, da sich die Transluzenz des Zahnschmelzes im Laufe der Jahre altersbedingt verändert.
Ebenso ist bekannt, dass auf Chromophore einwirkende Peroxide (Wasserstoffperoxid oder Carbamidperoxid) Verfärbungen im Farbspektrum von Rot bis Gelb effektiv reduzieren können. Auf den „grauen“ Anteil eines Zahns haben sie möglicherweise einen geringeren Einfluss.
Dennoch hat sich mittlerweile gezeigt, dass Behandlungen mit Peroxid durch ihre oxidierende Wirkung das Erscheinungsbild des Zahnschmelzes verbessern und die Zähne insgesamt heller wirken lassen können.
„Graue“ Zähne aufgrund erhöhter Transluzenz bei einer 60-jährigen Patientin.
Wirkung von Carbamidperoxid (Opalescence 10% PF) auf die Transluzenz nach einer 3-wöchigen Behandlung bei einer 60-jährigen Patientin.
Die Annahme, dass eine Zahnaufhellung bei älteren und abgenutzten Zähnen keinen Effekt erzielt, ist daher nicht zutreffend. In jedem Fall kann eine Verbesserung der Helligkeit beobachtet werden, die sowohl auf die Umwandlung der Chromophore als auch auf die Optimierung des Schmelzes zurückzuführen ist.
Es ist wichtig, das Behandlungsziel genau zu definieren. Wünscht sich der Patient primär eine optimierte Opazität oder Transluzenz? In diesem Fall ist eine Zahnaufhellung möglicherweise nicht optimal geeignet. Oder möchte der Patient einfach die Zähne aufhellen? Gemäß des therapeutischen Stufenkonzepts stellt die Zahnaufhellung eine minimal-invasive Behandlungsmöglichkeit dar. Selbst bei älteren Patienten kann sie unkompliziert und minimal-invasiv zu zufriedenstellenden Ergebnissen führt.
Die Behandlungsdauer kann jedoch mitunter länger ausfallen als üblich. Bei älteren Zähnen können die hohe Anzahl der Chromophore sowie deren Aggregation den Redoxprozess erschweren und verzögern. In Einzelfällen kann die Behandlung bis zu 2 Monate pro Kiefer in Anspruch nehmen.
Vergleich zwischen dem behandelten Oberkiefer und dem unbehandelten Unterkiefer.
Die gesellschaftlichen Erwartungen führen zu einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem Lebensstil und den Konsumgewohnheiten. Der Wunsch nach einem ästhetischen Erscheinungsbild gewinnt außerdem zunehmend an Bedeutung, insbesondere bei älteren Patienten. Die Zahnaufhellung ist hervorragende Möglichkeit, das am weiten verbreitete ästhetische zahnmedizinische Anliegen zu adressieren: die Zahnfarbe. Bei fachgerechter Durchführung bietet sie eine hohe Zufriedenheit, ohne Risiken oder invasive Eingriffe in die Zahnhartsubstanz. Damit entspricht sie dem Prinzip eines therapeutischen Stufenkonzepts.
Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die Behandlungsdauer bei älteren Patienten länger sein kann als bei jüngeren. Ebenso wichtig ist es, die Ziele und Erwartungen der Patienten genau zu verstehen. Geht es darum, gelbliche Verfärbungen zu entfernen und das Lächeln aufzuhellen, oder steht die Behandlung von Abnutzungserscheinungen im Vordergrund?
Sind die Behandlungsziele klar definiert, kann die Zahnaufhellung mit gutem Gewissen nicht nur jüngeren, sondern auch älteren Patienten empfohlen werden.
Über die Autorin
2013 schloss Dr. Marion Bulidon ihr Studium an der Fakultät für Oralchirurgie in Clermont-Ferrand (Frankreich) ab. Zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn plante sie eine implantologische Spezialisierung. Der Besuch eines Vortrags von Dr. Francesca Vailati über restaurative Zahnheilkunde brachte sie jedoch dazu, ihren Schwerpunkt auf dieses Fachgebiet zu verlagern.
Einige Jahre später absolvierte sie einen internationalen Masterstudiengang an einer Business School mit Spezialisierung auf die Luxusgüterbranche. Dadurch erweiterte sie ihre Kompetenzen in den Bereichen Unternehmensführung, Kommunikation und Management. Dies führte sie zu einer strukturierteren Herangehensweise in der Praxis sowie zu neuen beruflichen Ansätzen.
Ihre heutige Spezialisierung ist eine, über den rein kosmetisch-ästhetischen Ansatz hinausgehende, restaurative Zahnheilkunde. Für Dr. Bulidon ist Ästhetik das Resultat aus der Anwendung non-invasiver Behandlungsmethoden, biomimetischer Materialien und der konsequenten Einhaltung des therapeutischen Stufenkonzepts.