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Wie Alltagsgewohnheiten Zähne und Allgemeingesundheit schädigen

Geschrieben von Ultradent Products DE | 05.03.2026 12:34:07

Von Daniel Lewis

Bei genauerer Betrachtung gesundheitlicher Risiken, spielen meist Faktoren wie Rauchen, ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel eine signifikante Rolle. Vernachlässigt werden allerdings häufig Umstände, mit denen Zahnärzte täglich konfrontiert sind: Alltagsgewohnheiten und Angewohnheiten, die die Zähne schleichend schädigen und die Allgemeingesundheit beeinträchtigen.

Dr. Brett Richins, praktizierender Zahnarzt in Utah und Leiter des Clinical Advisory Teams bei Ultradent Products, erlebt die Folgen hautnah. „Ich hatte einen 18-jährigen Patienten, dem alle Zähne gezogen werden mussten“, erzählt er. Die Ursache? Der nahezu ständige Konsum von Softdrinks.

 

Zuckerhaltige Getränke – die versteckte Gefahr

Der Patient stellte sich mit starken Schmerzen in der zahnärztlichen Notaufnahme vor. „In seinem Mund war nichts mehr vorhanden, das noch einem Zahn geähnelt hätte“, erinnert sich Richins an die Untersuchung. „Es waren nur noch weiche Zahnstümpfe vorhanden.“

Die Ursache dafür war eine bereits seit Kindesalter praktizierte Gewohnheit. Sie führte zu einem Zustand, der im amerikanischen Sprachraum als „Mountain Dew Mouth“ bekannt ist (abgeleitet vom Namen eines in den USA populären Softdrinks). Dies bezeichnet die Folge von häufigen Softdrink-Konsum, der mitunter schon in den ersten Lebensjahren beginnt.

Dabei spielt nicht nur die Menge, sondern vor allem die Häufigkeit des Konsums eine entscheidende Rolle. „Für die Zähne ist der Effekt im Grunde derselbe, egal ob zehn Softdrinks am Tag getrunken werden oder nur zwei, an denen jedoch den ganzen Tag über alle fünf Minuten genippt wird“, erklärt Dr. Richins. Dieses ständige Bad aus Säure und Zucker erodiert den Zahnschmelz und fördert schädliche Bakterien.

Im Fall des 18-jährigen Patienten wurden die Softdrinks sogar zur Schmerzlinderung eingesetzt „Das Einzige, was meine Zähne etwas beruhigt ist, wenn ich damit spüle“, berichtete der Patient Dr. Richins, während er eine Zwei-Liter-Flasche Mountain Dew in der Hand hielt.

 

Folgen eines Zahnverlusts

Die langfristigen Folgen solcher Gewohnheiten sind erheblich. Ist ein Zahnerhalt nicht möglich, bildet eine Vollprothese häufig die letzte Option – ein Ersatz, der natürlichen Zähnen niemals vollständig gleichkommt.

„Eine Prothese ist kein guter Ersatz für Zähne. Sie ist schlichtweg eine Notlösung, um nicht zahnlos zu sein“, stellt Richins klar. Prothesen verändern das Geschmacksempfinden und beeinträchtigen die Freude am Essen. Sie erschweren oft das Kauen von Obst, Gemüse und proteinreichen Lebensmitteln. Nicht selten führt dies dazu, dass Betroffene auf weichere, kohlenhydratreiche Kost ausweichen.

Fehlt die Stimulation durch Zahnwurzeln oder Implantate, bildet sich der Kieferknochen im Laufe der Zeit zurück. Dieser Knochenverlust kann das Gesichtsprofil verändern, das Risiko für Knochenbrüche erhöhen und das Tragen von Prothesen zusätzlich erschweren. Implantatgetragene Lösungen können zwar bessere Ergebnisse erzielen, sind jedoch kostspielig: Die Behandlung kann bis zu mehrere Zehntausend Euro kosten. Das ist für viele Patienten unerschwinglich.


Behandlungen in Eigenregie

Risiken für die Zahngesundheit gehen aber nicht nur von der Ernährung aus, sondern zum Teil auch von gefährlicher Selbstüberschätzung. Dr. Richins berichtet von einem Patienten, der versuchte, seine Brücke eigenhändig mit einem Dremel und Epoxidharz zu befestigen. Dabei verletzte er das Zahnfleisch, sodass Bakterien in den Blutkreislauf gelangten. Die Folge war eine infektiöse Endokarditis, eine lebensbedrohliche Herzinfektion.

 

In Praxen eine bekannte Gefahr: Schlafapnoe

Neben Karies und Infektionen untersuchen Zahnärzte ihre Patienten auch auf Erkrankungen, die oft nicht mit dem Thema Mundgesundheit in Verbindung gebracht werden, beispielsweise die Schlafapnoe.

„Starke Abnutzungen der Zähne können ein Indiz für eine Verengung der Atemwege und nächtliches Knirschen sein,“ erläutert Dr. Richins. Während Schnarchen lange als harmlos galt, wird es inzwischen als Zeichen einer Atemwegsobstruktion interpretiert, welche das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.

Zahnärzte können Schlafapnoe zwar nicht diagnostizieren, sie aber frühzeitig erkennen und den Patienten an einen Arzt überweisen. In vielen Fällen können individuell angefertigte Schienen dazu beitragen, die Atemwege zu öffnen und sowohl das Schnarchen als auch die Häufigkeit von Schlafapnoe-Episoden zu reduzieren.

 

Verhaltenstipps für Patienten

Alltagsgewohnheiten können lebenslange Konsequenzen haben. Zum Schutz der Mund- und Allgemeingesundheit sind folgende Punkte entscheidend:

    • Konsum zucker- und säurehaltiger Getränke reduzieren. Beim Konsum dieser Getränke empfiehlt sich die Verwendung eines Strohhalms und das Trinken vorzugsweise zu den Mahlzeiten
    • Konsequente Mundhygiene. Regelmäßiges Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und professionelle Zahnreinigungen sind unerlässlich.
    • Bei Problemen immer einen Zahnarzt konsultieren. Do-it-yourself-Lösungen können die Allgemeingesundheit gefährden.
    • Schnarchen ernst nehmen. Den Zahnarzt bitten, auf Anzeichen einer Schlafapnoe zu achten.

Für Dr. Richins steht die Aufklärung an erster Stelle. „Viele Menschen glauben, schlechte Zähne wären eine Veranlagungsthematik und betrachten sie als unveränderliches Schicksal. Tatsächlich aber sind die entscheidenden Faktoren Ernährung und Hygiene. Diese lassen sich nur steuern, wenn das entsprechende Wissen vorhanden ist.“

 

Häufig Fragen:

F: Warum sind Softdrinks so schädlich für die Zähne?
A: Softdrinks kombinieren einen hohen Zuckergehalt mit starker Säure. Eine ständige Exposition greift den Zahnschmelz an und liefert Nahrung für schädliche Bakterien. „Für die Zähne ist der Effekt im Grunde derselbe, egal ob zehn Softdrinks am Tag getrunken werden oder nur zwei, an denen aber den ganzen Tag lang alle fünf Minuten genippt wird“, erklärt Dr. Richins.

F: Was ist schädlicher: Softdrinks langsam über den Tag verteilt zu trinken oder sie schnell auszutrinken?
A: Das über den Tag verteilte Trinken ist schädlicher, da die Zähne ununterbrochen Säure und Zucker ausgesetzt sind. Werden Softdrinks nur zu den Mahlzeiten konsumiert, hat der Speichel Zeit, die Säure zu neutralisieren. Ein Strohhalm kann zusätzlich den direkten Kontakt mit den Zähnen verringern.

F: Was ist ein „Mountain Dew Mouth“?
A: Der Ausdruck „Mountain Dew Mouth“ beschreibt in der Zahnmedizin, insbesondere im US-amerikanischen Sprachraum, massive Zahnschäden durch häufigen Softdrink-Konsum. Dieser Zustand kann bereits im frühen Kindesalter beginnen und selbst bei Jugendlichen zum vollständigen Zahnverlust führen.

F: Ist eine Zahnprothese ein guter Ersatz für natürliche Zähne?
A: Prothesen stellen zwar die grundlegende Funktion wieder her, können natürliche Zähne jedoch nicht vollständig ersetzen. Dr. Richins betont: „Eine Prothese ist kein guter Ersatz für Zähne. Sie ist schlichtweg eine Notlösung, um nicht zahnlos zu sein.“ Prothesen beeinträchtigen das Geschmacksempfinden und die Kaufähigkeit. Das schränkt die Ernährung und die Nährstoffaufnahme des Patienten ein.

F: Warum bildet sich der Kieferknochen nach einem Zahnverlust zurück?
A: Die Zähne stimulieren den Kieferknochen. Ohne diese Stimulation durch Wurzeln oder Implantate beginnt sich der Knochen zurückzubilden. Dies kann die Gesichtsform verändern, das Anpassen von Prothesen erschweren und das Risiko für Kieferbrüche erhöhen.

F: Kann ich eine lockere Krone oder Brücke selbst reparieren?
A: Nein! Zahnbehandlungen in Eigenregie können schwere Verletzungen oder Infektionen verursachen. Dr. Richins erläuterte einen Fall, bei dem sich eine lebensbedrohliche Herzinfektion (infektiöse Endokarditis) entwickelte, nachdem der Patient selbst versucht hatte, eine Brücke mit Epoxidharz festzukleben. Ein Zahnarztbesuch ist immer erforderlich.

F: Warum wird Schlafapnoe von Zahnärzten thematisiert? Ist das nicht ein medizinisches Problem?
A: Zahnärzte können Schlafapnoe zwar nicht diagnostizieren, sind aber in der Lage, sie frühzeitig zu erkennen. Anzeichen wie abgenutzte Zähne, eine Verengung der Atemwege oder Hinweise aus der Patientenanamnese können auf Schlafapnoe hindeuten. Der Zahnarzt kann den Patienten zur Diagnose an einen Arzt überweisen. In vielen Fällen kann er eine Schiene anfertigen, die das Schnarchen und die Häufigkeit der Schlafapnoe-Episoden reduziert.

F: Inwiefern wirkt sich Schnarchen auf die Allgemeingesundheit aus?
A: Schnarchen kann ein Anzeichen für blockierte Atemwege und gestörte Atmung während des Schlafens sein. Die Schlafapnoe erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere ernsthafte systemische Gesundheitsprobleme. Es sollte daher keinesfalls ignoriert werden.

F: Was ist das Wichtigste, das ich für den Schutz meiner Zähne tun kann?
A: Zucker- und säurehaltige Getränke reduzieren, konsequentes Zähneputzen, Zahnseide verwenden und regelmäßige zahnärztlichen Kontrollen. Aufklärung und Prävention sind weitaus effektiver und kostengünstiger als eine Behandlung bereits aufgetretener Schäden.

 

 

Über Dr. Brett Richins

Dr. Brett Richins absolvierte ein Studium der Biomedizintechnik an der University of Utah. Anschließend machte er eine zahnmedizinische Ausbildung an der University of Pittsburgh School of Dental Medicine, wo er 2012 einen DMD (Doctor of Dental Medicine) erwarb. 2025 ergänzte vertiefte er seine Kompetenzen in den Bereichen Praxismanagement und -führung innerhalb eines Executive MBA-Programms an der University of Utah.

Seit über zwölf Jahren ist er als praktizierender Zahnarzt in Lehi, Utah tätig. Darüber hinaus ist er einer der Gründer einer Praxisgemeinschaft, die an mehreren Standorten die allgemeine und zahnärztliche Versorgung von Kindern anbietet. Neben seiner Praxistätigkeit ist Dr. Richins als Director of Clinical Affairs bei Ultradent Products, Inc. tätig. In dieser Funktion arbeitet er an der Entwicklung und Prüfung zahnmedizinischer Materialien und Technologien mit.

Außerhalb der Praxis verbringt Dr. Richins gerne die Zeit mit seiner Frau und den vier gemeinsamen Kindern. Die beiden sind seit mehr als 20 Jahren verheiratet. Als leidenschaftlicher Outdoor-Fan findet er seinen Ausgleich bei Aktivitäten wie Mountainbiken, Wandern, Snowboarden und der Erkundung der roten Felsformationen im Süden Utahs.