Macht uns ein Lächeln glücklich oder lächeln wir, weil wir glücklich sind? Welchen Einfluss hat unsere Mimik tatsächlich auf unsere psychische Gesundheit? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Wissenschaft schon seit Jahrhunderten.
Mit der zunehmenden Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen wird immer deutlicher, dass der scheinbar einfache Vorgang des Lächelns tiefgehende Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit hat. Ein Lächeln kann unseren emotionalen Zustand beeinflussen, egal ob es echt oder aufgesetzt ist. Die Facial-Feedback-Hypothese erklärt dieses Prinzip, gestützt durch langjährige und aktuelle Forschungsergebnissen.¹
Die Facial-Feedback-Hypothese besagt, dass die Mimik unsere Emotionen beeinflussen kann. Vereinfacht ausgedrückt: Nehmen wir einen bestimmten Gesichtsausdruck an, werden Signale an unser Gehirn gesendet, die ein entsprechendes Gefühl erzeugen oder verstärken können. Beispielsweise ruft ein Lächeln Glücksgefühle hervor, während ein Stirnrunzeln eher Traurigkeit oder Wut auslösen kann. Diese Hypothese beschreibt eine wechselseitige Beziehung zwischen Emotion und Ausdruck. Demnach beeinflussen nicht nur unsere Gefühle die Mimik. Vielmehr kann auch die Mimik unsere Gefühle steuern.²
Im 19. Jahrhundert leistete der französische Neurologe Guillaume Duchenne Pionierarbeit bei der Erforschung der Mimik mittels Analyse der Gesichtsmuskulatur. Er fand heraus, dass nur ein Lächeln, das auch die Muskulatur der Augenpartie aktiviert, ein echtes Lächeln ist. Dieses Lächeln wird als „Duchenne-Lächeln“ bezeichnet. Den Gegensatz dazu bildet das Lächeln, bei dem lediglich die Muskulatur im Mundbereich genutzt wird, beispielsweise ein höfliches oder erzwungenes Lächeln. Duchenne stellte fest, dass diese beiden Arten des Lächelns, das echte Duchenne-Lächeln und das weniger aufrichtige Lächeln, über völlig unterschiedliche neuronale Bahnen gesteuert werden.3
Klassisches Beispiel eines Duchenne-Lächelns: Die Muskulatur der Augenpartie wird aktiviert.
Später erweiterte Charles Darwin Duchennes Forschung mit seinem Buch „The Expression of the Emotions in Man and Animals“. Er traf die Annahme, dass Gesichtsausdrücke evolutionär adaptiv und universell seien. Zudem vermutete er, dass der Ausdruck einer Emotion das Gefühl selbst verstärken könne. Diese Annahme wurde von der späteren Facial-Feedback-Hypothese aufgegriffen, für welche die „empirische Forschung belegt, dass Gesichtsausdrücke sowohl aktuelle Emotionen modulieren als auch auslösen können.“4
Interessanterweise lautet die Antwort oft: Nein. Ob echt oder unecht, ein Lächeln kann positive neurologische und hormonelle Reaktionen auslösen. Beim Lächeln setzt das Gehirn Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin und Endorphine frei. Diese Botenstoffe reduzieren Stress und verbessern die Stimmung.5
Die Ergebnisse einer in Wales durchgeführten Studie belegen sogar, dass Botox-Injektionen (Botulinumtoxin), welche das Stirnrunzeln hemmen, depressive Symptome bei den Teilnehmern reduzieren. Im Gegensatz dazu führen Botox-Injektionen, die die Muskeln der Augenpartie lähmen (diejenigen, die typischerweise „Lachfalten“ erzeugen), zu einer Zunahme der depressiven Symptome bei den behandelten Personen. Diese Studie belegt, dass ein Lächeln oder die Unfähigkeit, die Stirn zu runzeln, positive Emotionen hervorrufen kann. Im Gegensatz dazu kann die Unfähigkeit authentisch zu lächeln die Glücksgefühle hemmen oder verringern.6
Eine weitere Studie untersuchte, ob „das indirekte Auslösen positiver Gesichtsausdrücke die kardiovaskulären und affektiven Reaktionen auf Stress beeinflusst“. Den Probanden wurden herausfordernde Aufgaben gestellt. Sie mussten Essstäbchen horizontal im Mund halten, um ein ein Duchenne-Lächeln, ein normales Lächeln oder einen neutralen Gesichtsausdruck zu erzeugen. Die Hälfte der Probanden musste zusätzlich explizit lächeln, während die andere Hälfte die Essstäbchen lediglich weiter vertikal halten musste. Dies rief ein unwillkürliches Lächeln hervor.
Das Essstäbchen-Experiment. 1. Bild: neutraler Gesichtsausdruck. 2. Bild: unwillkürliches oder Nicht-Duchenne-Lächeln. 3. Bild: Duchenne-Lächeln.5
Die Gruppe mit den echten Lächeln erlebte die stärkste Stressreduktion. Im Gegensatz dazu zeigte die Gruppe mit den erzwungenen Lächeln eine weniger starke Stressminderung. Insgesamt wiesen die lächelnden Teilnehmer während der Erholungsphase nach der Belastung niedrigere Herzfrequenzen auf als die neutrale Vergleichsgruppe. Die Forscher schlossen daraus, dass „die Aufrechterhaltung eines positiven Gesichtsausdrucks in Stresssituationen sowohl physiologische als auch psychologische Vorteile bietet“, unabhängig davon, ob das Lächeln echt ist oder nicht.7
Lächeln hat einen starken kumulativen Effekt. Studien zu natürlichen und erzwungenen Lächeln zeigen, dass Lächeln die Gesundheit positiv beeinflussen kann. Konkret scheint das Lächeln dem Körper zu helfen, akute Stressphasen besser zu regulieren, sich schneller von stressigen Situationen zu erholen und langfristig sogar das Krankheitsrisiko zu senken.¹
Die wahre Kraft eines Lächelns liegt nicht nur in der Kommunikation nach außen, sondern in der inneren Signalwirkung. Sogar ein aufgesetztes Lächeln kann die Stimmung verbessern, Stress abbauen und soziale Bindungen stärken. Zusammen mit der modernen Forschung zeigen die historischen Erkenntnisse von Duchenne und Darwin, dass die einfache Mimik, das Anheben der Mundwinkel und das leichte Zusammenziehen der Augen, tiefgreifende biochemische und emotionale Prozesse in Gang setzen kann. In unserer schnelllebigen, stressigen Zeit bleibt das Lächeln deshalb das einfachste und beste Mittel für körperliche und geistige Gesundheit sowie soziales Wohlbefinden.
Literatur
Eine kurze Nachricht vom Ultradent Products Team:
Sommer, Sonne, Pause! Nach diesem Post macht unser Blog Urlaub – ab September sind wir wieder mit spannenden neuen Artikeln für Sie da.